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20. Juni 2015

Das Jugendangebot ist das Nadelöhr für den Fortbestand öffentlich-rechtlicher Medien

Ministerpraesidentenkonferenz am 17.10.14 in Potsdam. (Foto: Oliver Lang © Presseamt Potsdam)

Die öffentlich-rechtlichen Medien stehen vor zwei großen Herausforderungen: dem digitalen Medienwandel und dem Verlust des jungen Publikums. An ihnen entscheidet sich die künftige Legitimation des öffentlich-rechtlichen Systems insgesamt. Die Lage ist in ganz Europa ähnlich. In Deutschland hat die Politik einen mutigen Beschluss gefasst, um beide Fragen anzugehen. Auf ihrer Konferenz im Oktober 2014 beauftragten die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder ARD und ZDF, ein Angebot für 14- bis 29-Jährige zu konzipieren – ausschließlich im Internet, ohne Sendungsbezug, ohne Drei-Stufen-Test, ohne Verweildauerbeschränkungen und mit einem Etat von 45 Millionen Euro. Im Juni 2015 legten die Anstalten ihr Konzept vor.

Es handelt sich um nichts weniger als einen Paradigmenwechsel: den Bruch mit dem Primat des linear gesendeten Programms und der Sekundarität von Online. Mit der Jugendplattform ist die Verbindung zum Massenmedienmodell – einer sendet und alle sehen oder hören zu, das auch das vorangegangene trimediale Konzept eines Jugendkanals noch dominierte – aufgehoben. Da konvergiert nichts mehr. Mit der Jugendplattform hat die Institution öffentlich-rechtlicher Rundfunk ihre medientechnologischen Wurzeln hinter sich gelassen und ist im Netz angekommen. Oder in den Worten von ARD-Chef Lutz Marmor „Zukunftsweisend ist dabei, dass die Beschränkungen im Internet wegfallen.“ (ARD-PM 17.10.14)

Dieser Text als PDF.

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Update: Die Rundfunkkommission der Länder hat in ihrer Sitzung am 17. Juni das Konzept eines Online-Jungendangebots von ARD und ZDF zur Kenntnis genommen und den Auftrag zu einem offenen Konsultationsverfahren erteilt, das von der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt durchgeführt wird. Am 19. Juni ist die Konsultation gestartet worden. Bis zum 31. Juli 2015 können Stellungnahmen zum Konzept und zum Entwurf des Rundfunkstaatsvertrags schriftlich in Papierform oder per E-Mail eingereicht werden. Angesprochen sind zwar „vor allem … öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, Verbände der Medienwirtschaft und Unternehmen der Medienwirtschaft“. Da bislang noch keine Pläne für eine separate Konsultation der Zielgruppe verlautbart wurden, ist das auch die Chance für 14- bis 29-Jährige, ihre Vorstellungen konstruktiv einzubringen

Update 2: Am 18. Juni hat Hyperbole den Grimme Online Award in der Kategorie Kultur und Unterhaltung gewonnen. Glückwunsch!

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14. Februar 2015

Von Privatisierung zu den Allmenden

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untitledVolker Grassmuck, Von Privatisierung zu den Allmenden

Tauschen, Teilen und Kooperieren sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Verstärker, wenn nicht Auslöser für den Wandel in Bewusstsein und Praxis war ohne Frage das Internet.

in: Peter Bittner, Stefan Hügel, Hans-Jörg Kreowski, Dietrich Meyer-Ebrecht, Britta Schinzel (Hg.), Gesellschaftliche Verantwortung in der digital vernetzten Welt, Reihe: Kritische Informatik Bd. 8, 2014, ISBN 978-3-643-12876-8

Das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e. V. (FIfF) setzt sich seit 30 Jahren mit den Wechselwirkungen von Informatik und Gesellschaft auseinander. Dieser Jubiläumsband mit einer Reihe von Beiträgen bekannter Autorinnen und Autoren lässt ein Spektrum aktueller und brisanter Themen Revue passieren, das von Überwachung und Datenschutz über Rüstung und Informatik, Informatik und Gender, Verantwortung und Fairness im informatischen Handeln bis hin zum kreativen Arbeiten und zu immateriellen Gütern reicht.

19. April 2014

Von Daseinsfürsorge zu Public Value
Für einen neuen Gesellschaftsvertrag über unsere mediale Umwelt

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Grassmuck, Volker Ralf, Von Daseinsfürsorge zu Public Value. Für einen neuen Gesellschaftsvertrag über unsere mediale Umwelt (March 02, 2014). erscheint Juni 2014 in: Dieter Klumpp, Klaus Lenk, Günter Koch (Hrsg.), Überwiegend Neuland. Zwischenbilanzen der Wissenschaft zur Gestaltung der Informationsgesellschaft, edition sigma, Berlin 2014. Available at SSRN: http://ssrn.com/abstract=2426683

Abstract:
Seit Mitte der 1990er begibt sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk ins Internet und damit auf Neuland. Das führt zu Friktionen, zunächst mit den seit Mitte der 1980er zugelassenen privaten Rundfunkanbietern und der Presse, die sich durch ihn als öffentlich finanziertem Wettbewerber um den neuen Online-Markt betrogen sehen. Dann auch mit den Ureinwohnern des Neulands.

Kurz, der vernetzte Computer hat die alten, auf Papier und Äther gestützten Massenmedien gründlich aufgemischt – und damit auch die Öffentlichkeit. In Zeiten ‘konvergenter Unübersichtlichkeit’ (Wolfgang Schulz) gilt es, über all dem Neuen nicht die hart erkämpften Grundrechte wie die Meinungsfreiheit und die ihr dienende Medienfreiheit aus dem Auge zu verlieren. Das mit den Massenmedien entstandene und inzwischen europäisierte Medienrecht bemüht sich, der digitalen Revolution als ‘Neue Medien’, ‘Teledienste’ ‘Mediendienste’ und aktuell als ‘Telemedien’ im gewachsenen Rahmen einen Ort zuzuweisen.

Medienregulierung, die wie alles Recht doch demokratietheoretisch Ausdruck des Volkeswillens sein soll, findet jedoch weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ausgerechnet die Möglichkeitsbedingungen einer Öffentlichkeit, die Demokratie allein tragen kann, sind ihr blinder Fleck. Die Frage nach einer informationellen Daseinsvorsorge, Grundversorgung oder, wie es heute neudeutsch heißt, Public Value muss vom Internet aus neu gestellt werden.

Keywords: öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Internet, Konvergenz, Meinungsfreiheit, Internetdienstefreiheit, Medienregulierung, Daseinsvorsorge, Grundversorung, Public Value, Europarecht, Beihilfe, Verfassung, Grundgesetz

16. April 2014

„Netzöffentlichkeit im Wandel“

Am 2. September 2013 veranstaltete die GRÜNE-Landtagsfraktion in Sachsen den netzpolitischen Kongress in Leipzig. Hier ein Rückblick auf die Veranstaltung.

Meine Keynote „Netzöffentlichkeit im Wandel“ betrachtet den Wandel der Öffentlichkeit vom Internet aus und fokussiert besonders auf die Herausforderungen durch neue Plattformen.

16. November 2013

Brazil’s Marco Civil about to be voted in Parliament

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The much applauded Brazilian legislative project for an Internet Bill of Rights is about to enter its decisive phase in the House of Representatives. The Marco Civil da Internet had it ups and downs. A devastating cyber-crime bill introduced by senator Eduardo Azeredo had triggered a wave of protests in 2009. This in turn, led to an innovative, broad, participatory process of drafting a counter-bill guaranteeing fundamental rights on the Internet that was conducted by the Ministry of Justice in partnership with the Center for Technology and Society of the Fundação Getulio Vargas Law School in Rio de Janeiro. The first round of public consultations at the end of 2009 served to identify issues to be dealt with. The draft bill based on the more than 800 contributions was published for public consultation in spring 2010. The administration of President Dilma Rousseff approved the bill and sent it to Congress in August 2011. There it has been postponed and watered down eversince. Especially the net neutrality rules met with resistance by the powerful telcos. Meanwhile, the Lei Azeredo was passed in April 2013.

It took Edward Snowden’s leaks to bring the Marco Civil draft back on track. „In addition to the re-installment of old guarantees aspired for by civil society organisations, the post-Snowden Marco Civil also embodies the reaction of Brazil’s government to the NSA mass surveillance,“ writes Monika Ermert on Intellectual Property Watch. She also presents an English language translation of the current text of the bill, prepared by Carolina Rossini, Project Director for the Latin America Resource Center at the Internet Governance and Human Rights programme at the New America Foundation’s OTI.

Voting on the Marco Civil is again scheduled for next week. It is feared that it sufferes the same fate as the similarly progressive Brazilian Copyright Bill, the drafting and public deliberations on which had started in 2005 already, that was delayed countless times and is now schedulded to be voted in 2015. But there is still hope that the indignation over practices by the NSA and US corporations will create the political will and momentum to finally approve the Marco Civil.

18. Juli 2013

The Sharing Turn: Why We are Generally Nice and Have a Good Chance to Cooperate Our Way Out of the Mess We Have Gotten Ourselves into

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Grassmuck, Volker Ralf, The Sharing Turn: Why We are Generally Nice and Have a Good Chance to Cooperate Our Way Out of the Mess We Have Gotten Ourselves into (August 18, 2012). Available at SSRN: http://ssrn.com/abstract=2295622

Published in: Wolfgang Sützl, Felix Stalder, Ronald Maier, Theo Hug (Eds.): Cultures and Ethics of Sharing / Kulturen und Ethiken des Teilens, Innsbruck University Press 2012 ISBN 978-3-902811-74-5

Abstract:
After a period of neoliberal blind faith in the power of economic self-interest and of austerity to tackle its catastrophic effects, we are re-discovering our more pleasant sides. There is currently a surge of interest in sharing – in research in various developmental sciences, in popular debate and most of all in practice. This paper proposes that our society is undergoing a Sharing Turn that has its roots in human nature and in cultural history, is media-technologically enabled by networked computers and is fueled by the rising anger over societal systems that fail to serve the public in- terest. It attempts to set out some of the roots, diverse manifestations and dynamics of this para- digmatic shift, and it expresses hope that the ‘trending’ values of sharing and cooperating will change the world for the better.

Keywords: sharing, cooperation, commons, res universitatis, knowledge commons, commons-based peer-production, evolutionary anthropology, evolutionary biology, homo economicus, scacity, abundance, free software, OA, OER

20. Mai 2013

Hyperkult XXII: Standards, Normen, Protokolle, 4.-6. Juli 2013

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Die 22. Hyperkult steht vor der Tür. Dieses Mal zum Thema „Standards, Normen, Protokolle“. Welche Rolle spielen Standards, Normen und Protokolle für die Strukturbildung der Nächsten Gesellschaft? Sind Protokolle nicht vielleicht doch ihre wichtigsten Medien, und der lange Marsch durch die Institutionen müsste heute durch die Normungskommissionen verlaufen? Welche Bedeutung haben das W3C, welche die ICANN, die WIPO? Wo, bitteschön, scheint denn eine neue Anarchie auf, die alle diese verknöcherten Regularien, wenigstens für kurze Zeit, zum Teufel schickte?

Mit Vorträgen unter anderem von Claus Pias: Protokollfragen, Ned Rossiter: Logistical Worlds: Command and Control, Exodus and Invention, Rolf Großmann: MIDI-Geschichte(n), Andrea Knaut: Normindividualität, Jens-Martin Loebel: „Mühlendamm Schleuse, bitte kommen!“ Die Geschichte der Vollzugsordnung für den Funkdienst als soziales Protokoll, Agata Królikowski: Standardisierte Überwachung und Wolfgang Coy: „Was die technische Welt im Innersten zusammen hält“.

HYPERKULT XXII
Standards, Normen, Protokolle

4.-6. Juli 2013

Centre for Digital Cultures
Medien- und Informationszentrum und
Institut für Kultur und Ästhetik digitaler Medien der
Leuphana Universität Lüneburg

„Alte Post“ in der Sülztorstr. 21-25
21335 Lüneburg

19. Februar 2013

„TPB AFK“ – Simon Klose’s documentary about The Pirate Bay out now

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tpbafkThe Pirate Bay – Away From Keyboard,  a close encounter with the three founders of the world’s largest peer-to-peer file-sharing site, premiered at the Berlin Film Festival and synchronuously on the Net on 8 February. Now, the film can be watched and bought at its official site and torrented at — where else — The Pirate Bay.

„One reason for making this film was that I couldn’t relate to the media industry’s claim that sharing files was a threat to creativity. To me, the unrestricted access to culture was the very spark in the online revolution, where every imaginable artistic expression exploded with creativity.“ (Director’s Statement)

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23. Oktober 2012

Digitalia 2013, Salvador da Bahia, 1-5 February 2013

DigitaliaDigitalia 2013
Salvador da Bahia
1-5 February 2013

After a grandiose start in 2012, the music-based digital culture conference and festival Digitalia goes into its second year. It is part of an ambitious endeavor that includes research, education, publications, numerous events and the establishment of a Centre for Digital Music and Culture. Digitalia is organised by the social network Audiosfera and the research group of the same name, hosted at the Institute of Humanities, Arts and Sciences Professor Milton Santos at the Federal University of Bahia under the direction of Messias Bandeira. I’m honored to have been invited as one of the curators of Digitalia.

Next year’s themes are: Music and digital culture; economy of online music; copyrights, music and digital culture; music, digital culture and innovation; transversalities. For more details see (in Portuguese):

Chamada de Trabalhos (Call for Contributions), open till 15 November 2012.

22. Oktober 2012

Symposion „Verantwortung übernehmen. Mitten in der Turing-Galaxis, 2.-3.11.12 Berlin

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Verantwortung übernehmen
Mitten in der Turing-Galaxis

Symposion des Fachbereichs »Informatik und Gesellschaft« der GI

2. – 3.11.2012
Malzfabrik Berlin
Bessemerstraße 2-14
Berlin-Südkreuz

Informatiksysteme sind keine rein technischen, sie müssen in ihren gesellschaftlichen Kontexten geplant, entworfen und konstruiert werden. Es liegt in der Verantwortung der Informatik, sich mit den Zielen, Wirkungen und Folgen der von ihr gebauten Systeme auseinander zu setzen. Das gilt insbesondere im Hinblick auf die technisierte Gesellschaft in der »Turing-Galaxis«.

Der Fachbereich »Informatik und Gesellschaft« lädt Sie am 2. und 3. November zu einem zweitägigen Symposion ein, um über gesellschaftliche Dimensionen von Informatiksystemen und ihre Bedeutung für die Disziplin Informatik zu sprechen.

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